In den nächsten Wochen soll der Gemeinderat über den zukünftigen Standort der Musikschule Ritten entscheiden. Breiter Konsens ist, dass die Raumsituation der Musikschule Ritten (aktuell ein kleiner Anbau an der Mittelschule in Klobenstein) seit Jahren problematisch ist. Zu klein, nicht barrierefrei und nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechend, kann sie auch einen immer größeren Teil der interessierten Schüler*innen nicht aufnehmen. In den letzten Jahren waren immer über 100 Personen auf der Warteliste für eine Ausbildung im Bereich der Musikerziehung.

Das Problem ist seit langem bekannt, erst jetzt kommt aber Bewegung in die Angelegenheit. Es soll in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen zwischen folgenden zwei Möglichkeiten abgestimmt werden:

Version 1 Lengmoos: Das Land macht eine Standorterhebung für ein geeignetes Mietobjekt, welches mit großer Wahrscheinlichkeit das Widum Lengmoos sein wird oder

Version 2 Standort Mittelschule: Die Gemeinde errichtet mit Eigenmitteln am bestehenden Standort einen Zu-, oder Neubau.

Als Gemeinderät*innen, aber in engem Austausch mit weiteren Vereinen und Organisationen, welche konkret mit der Musikschule befasst sind, möchten wir der Rittner Bevölkerung wichtige Informationen zur Hand geben, um die Folgen der zwei Alternativen besser beurteilen zu können.

Erreichbarkeit:

Für den Großteil der Schüler*innen würde sich keine deutliche Verschlechterung ergeben. Mehrere gute und sichere Fußwege verbinden den Bahnhof Klobenstein mit Lengmoos. Busverbindungen im (halb-)Stundentakt führen nach Lengmoos. Für die Nutzer*innen der öffentlichen Verkehrsmittel ergibt sich keine Verlängerung der Zeit Wohnort-Musikschule-Wohnort. Für die überschaubare Anzahl an Schüler*innen, welche mit der Bahn von Wolfsgruben oder Oberbozen kommen (aktuell laut Umfrage ca. 13% der MusikschülerInnen, was ca. 30 Kindern entspricht), könnten mit dem eingesparten Geld der Gemeinde sogar konkrete Lösungen (wie etwa ein Shuttelbus, Leihräder, Schülerlotsen o.ä.) angedacht werden. Die Musikschule stimmt jede Unterrichtszeit individuell mit den Schüler*innen ab, um den unterschiedlichen Fahrzeiten und -formen Rechnung zu tragen.

Finanzierung:

Musikschulbauten sind Landeskompetenz. Ein Zu- oder Neubau am bestehenden Standort geht laut Auskunft des zuständigen LR Achammer zur Gänze auf Kosten der Gemeinde. Die Spesen werden sich dafür zwischen 3,5 und 5 Mio. € bewegen. Die Minimalversion in Form eines Anbaus bei dem die bestehenden Räume der Musikschule mit eingeplant werden, entsprechen dem geforderten Raumprogramm der Musikschule und den Richtlinien des Landes nicht.

Die Kosten für einen Umbau des Widums in Lengmoos würde der Deutschorden als Eigentümer tragen, das Land als Träger der Musikschule würde anschließend das Gebäude anmieten. Der Gemeinde würden hier keine Kosten für den Bau entstehen. Das Widum in Lengmoos erfüllt die Raumkriterien einer Musikschule, der bereits vorhandene Konzertsaal kann wiederbelebt werden. Zudem würde, wie im neuen Landesraumordnungsgesetz gefordert, Leerstand genutzt und im Sinne des Umweltschutzes müssten nicht neue Flächen verbaut werden.

Zeitplan:

Ein Zu-, oder Neubau am Standort Mittelschule sollte wohlüberlegt und gut geplant erfolgen. Die Planungen dafür müssen aber erst bei null starten. Entscheidungen über das konkrete Bauvolumen, der genauen Positionierung, die zukünftigen Einteilung des Mittelschulparks und auch Überlegungen zu zukünftigen Erweiterungsmöglichkeiten der Mittelschule, der Bibliothek und des Kindergartens wären voranzustellen. Eine schnelle Realisierung an diesem Standort ist daher aus unserer Sicht unwahrscheinlich.

Die Sanierung des Widums in Lengmoos würde um einiges schneller gehen, diese würde außerdem nicht die Gemeinde planen und leiten. Ein Bauabschluss innerhalb 2-3 Jahren ist hier realistisch. LR Achammer hat für eine Marktrecherche bereits seine Unterstützung zugesagt. Für einen durch das Land finanzierten Neubau müsste das Bauvorhaben erst in die Liste des Hochbaues des Landes aufgenommen und eine Priorisierung vorgenommen werden; es liegen bereits andere Anträge vor und die Wartezeit beträgt rund 10 Jahre.

Park rund um die Mittelschule und Bauphase:

Die einzige öffentliche Grünanlage in Klobenstein mit Fußballfeld und Spielplatz (vormittags auch als Pausenhof der Mittelschule und für Unterricht im Freien genutzt) würde bei einen Zu-, bzw. Neubau am Standort Mittelschule erheblich verkleinert werden. Dabei ist dieser Park jetzt schon in allen Jahreszeiten stark genutzt und gewinnt in Zukunft bei der Verdichtung der Bebauung noch an Bedeutung.

Während der Bauphase am Standort Mittelschule wäre auf Grund des Baulärms sowohl der Musikschulbetrieb, als auch der Unterricht in der Mittelschule, sowie die reguläre Arbeit in Kindergarten und Bibliothek gestört. Eine Lösung für den Betrieb der Musikschule während der Bauzeit müsste erst gefunden werden.

Die Offenen Grünen Ritten plädieren für den Weg der Marktrecherche mit der Option Umbau Widum Lengmoos. Die Rittner*innen hätten zeitnah, kostenneutral und ohne wesentliche Nachteile für den Standort Mittelschule eine zukunftsfitte Musikschule mit viel Entwicklungspotential. Eine engere Zusammenarbeit mit der Grundschule und eine Belebung von Lengmoos wären positive Nebeneffekte. Auch die Musikschuldirektion hat sich in zahlreichen Gesprächen mit der Gemeinde klar für Lengmoos ausgesprochen. Die Gemeindereferentin für Schule und Kultur favorisiert ebenfalls diese Option, genauso wie der SVP-Ortsausschuss Klobenstein-Lengmoos und eine Reihe weiterer Vereine und Organisationen.

Der Weg des Zu-, bzw. Neubaus ist keine zeitnahe Lösung, zudem werden Gelder des Rittner Gemeindehaushaltes in Millionenhöhe für ein Projekt investiert, dessen Zuständigkeit beim Land liegt. Wenn die Gemeinde Ritten ihren Bürger*innen eine musikalische Grundausbildung mit Niveau garantieren möchte, dann ist der Weg der Marktrecherche und die Langzeitmiete des Widums durch das Land die bessere Lösung.

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