Zweisprachige Wegzeichen werden in Südtirol immer wieder beschädigt. Jenseits der politischen Ebene gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit.Urlauber aus Deutschland schätzen an Südtirol neben den schönen Berglandschaften sowie gutem Essen und Wein vor allem eines: man kann sich in den meisten Fällen problemlos auf Deutsch verständigen. Bezeichnungen sind, egal ob im Restaurant, auf der Straße oder beim Wandern in den Bergen, in der Regel zweisprachig vorhanden.
Federführend war der faschistische Politiker Ettore Tolomei, der in seinen 32 „Provvedimenti per l‘Alto Adige“ auch plante, die deutschen Ortsnamen zu italianisieren. Mit Ausnahme historisch gewachsener Namen in Südtirol wurden die meisten übersetzt. Heute sind nur die italienischen Ortsnamen amtlich, während die deutschen und ladinischen Namen geduldet werden. Seitdem ist der Namensstreit ein immer wiederkehrendes Thema in der Innenpolitik und ethnischen Diskussionen.
Doch nicht allen gefällt es, wenn Ortsbezeichnungen auf Schildern sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch stehen. Das kann manchmal zu Schmieraktionen führen. Besonders bei Wandertafeln warnt das Bergretter, dass es ein Risiko für Italien-Urlauber birgt.
Es ist ein Bild, das Wanderern in Südtirol begegnen kann: Wandertafeln, die eigentlich zweisprachig sein sollten, sind oft mit Filzstiften beschmiert. Kürzlich kritisierte eine italienische Wanderin in der Tageszeitung Alto Adige ein Schild im Eggental, auf dem die italienischen Namen Nova Ponente für Deutschnofen und Bolzano für Bozen durchgestrichen waren.
Die jüngsten Vorfälle in Südtirol, bei denen Unbekannte italienische Namen auf Schildern entlang der Wanderwege mit schwarzem Filzstift durchgestrichen haben, zeigen alte Spannungen zwischen der deutsch- und der italienischsprachigen Bevölkerung der Region. Einige Menschen stören sich an den italienischen Orts- und Flurnamen, die nach der Annexion durch Italien und während des Faschismus eingeführt wurden. Andere sehen im Durchstreichen dieser Bezeichnungen einen feindlichen Akt.
Der linguistische Streit in Südtirol hat tiefe historische Wurzeln. Vor 1920 war das Gebiet Teil des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Nach der Annexion an Italien erlebte die mehrheitlich deutschsprachige Provinz eine Zwangsitalianisierung unter dem Faschismus, bei der die deutsche Sprache zwischenzeitlich verboten wurde.
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