Lobpreisung der Carabinieri in einem indoktrinierenden „Merkheft“ für Südtiroler Schüler

Verschweigen einer teilweise düsteren Vergangenheit

Am 12. Juni 2024 wurde in Bozen von dem Bürgermeister Renzo Caramaschi (am Beitragsbild mit Tricolore-Schärpe), der SVP-Stadträtin Johanna Ramoser und Vertretern der Carabinieri, ein indoktrinierendes Merkheft für Schüler vorgestellt.

Dazu veröffentlichte der „Südtiroler Heimatbund (SHB)“ folgende Presseerklärung:Gab es doch auch eine Zeit in welchen ein Carabinieri eine Frau in Bozen mit einem Auto überfahren hat und diese Ihr Leben verloren hat,oder es gab Zustände in welchen die Carabinieri sich gegenseitig Ihre Ehefrauen ausgetauscht haben oder es gab Zustände,in welchen Carabinieri zum Selbstschutz in Genua einen Jugendlichen erschossen haben,nur weil er mit einer Feuerwehr-Schutzflasche bei einer Demonstration unterwegs war ? Man kann ein Buch schreiben,wo sich die Carabinieri und Polizei nicht Korrekt verhalten haben,aber das soll nicht in die Öffentlichkeit geraten und wer es macht,den werden wir schon Knebeln,kommen Wortlaute aus Ihren Kreisen.Dreck am Stecken hat die Institution der Behörde zur genüge,man Bedenke sogar an die mehr als 100 Gefängnistoten in Italien,an welchen diese Behörde eine Mitbringschuld trägt.

Carabinieri in Südtirol – eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit

 Die Stadt Bozen hat ein „Diario/Merkheft 2024/25“ für Schüler herausgegeben mit dem Titel

 „A scuola con i – Zur Schule mit den – Carabinieri“.

 Hier werden auf der Titelseite die Carabinieri den Kindern zeichnerisch als liebe Beschützer in Gestalt von Plüschtier-Hunden nahegebracht.

Ohne die verdienstvolle Rolle vieler Carabinieri bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit schmälern zu wollen, muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Geschichte der Carabinieri in Südtirol auch eine Jahrzehnte lang andauernde düstere Seite aufzuweisen hat.

Bereits nach dem Einmarsch der italienischen Truppen in Südtirol im November 1918 war es zu schweren Übergriffen gegenüber der deutschen und ladinischen Bevölkerung gekommen. Die Übergriffe und Gewalttaten häuften sich in der Zeit des Faschismus. Auch das Kriegsende brachte keine umgehende Besserung. Aus dem Süden einfallende plündernde Räuberbanden, die sich „Partisanen“ nannten, wurden von den Carabinieri nicht in ihrem Tun gehindert. Im Grödental kam es zu Mordtaten.

Im Jahr 1961 und in den folgenden Jahren kam es in Carabinieri-Kasernen zu zahlreichen und schweren Folterungen Südtiroler Freiheitskämpfer, die sich gegen die andauernde gewalttätige Unterdrückung erhoben hatten. Auch hier gab es Todesopfer.

Die Folterer wurden nicht bestraft, sondern eine Reihe von ihnen wurde von einem italienischen Gericht sogar freigesprochen bzw. fielen die begangenen Misshandlungen unter Amnestie. Sie wurden anschließend öffentlich belobigt und geehrt.

Dieser Teil der Geschichte wird von offizieller italienischer Seite und seit längerem auch von deutscher Seite bis heute zumeist schweigend übergangen. Hier wäre längst eine kritische Aufarbeitung mit öffentlicher Entschuldigung für das in der Vergangenheit begangene Unrecht angebracht. Dies würde einem unbefangenen Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung dienen.

Bislang deutet nichts darauf hin, dass dies in naher Zukunft geschehen könnte – doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes (SHB)“

Flugblatt des Bergisel-Bundes in Oberösterreich aus den 1960er Jahren.
Flugblatt des Bergisel-Bundes in Oberösterreich aus den 1960er Jahren.
Bericht in „Dolomiten“ vom 7. September 1963
Bericht in „Dolomiten“ vom 7. September 1963

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