Ende der 1990er Jahre habe ich mit Georg Wunderer, dem langjährigen Vorsitzenden des E-Werks Prad, an einer Vision gearbeitet: die „Heimholung“ der Südtiroler Wasserkraft und Netze von Enel und Edison – gebündelt in einer großen Südtiroler Bürgergenossenschaft. Ende der 2000er Jahre, als die Konzessionen und Netze tatsächlich übernommen wurden, haben wir das Projekt nochmals konkretisiert. Am Ende ist es nicht so gekommen, wie wir es uns erhofft hatten.

Wunderer, der 2018 verstarb, brachte unsere gemeinsame Überzeugung auf den Punkt: Energie dürfe nicht dem Kapital dienen, sondern müsse den Menschen zugutekommen. Über 25 Jahre später zeigt sich, wie aktuell dieser Gedanke geblieben ist. Die Heimholung der Energie war dank unserer Autonomie möglich – genauso wäre es heute eine eigene Energiebehörde. Erst kürzlich hat die Landtagsmehrheit diesen Vorstoß für eine eigene Südtiroler Energiebehörde und eine eigene Strom-Gebotszone abgelehnt – obwohl das Land mehr Strom produziert, als es selbst verbraucht, und obwohl EU-Richtlinien einen solchen Schritt ausdrücklich zulassen würden.

Die Konzessionen und Netze haben wir zurückgeholt. Die Frage, wem der Nutzen daraus zugutekommt, ist bis heute nicht im Sinne der Bürger beantwortet.

Bild: mit Georg Wunderer, 2017, anlässlich einer Genossenschaftstagung in Aosta, im Hintergrund der Mont Blanc. Ein Weggefährte eine gemeinsame Vision.


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