Wohlhabende Reisende begeben sich mittels Hubschrauberauf flüchtige Berggipfel. Doch stellt dies eine erhebliche Bedrohung für Mensch und Natur dar? In Südtirol wächst die Besorgnis über diese Entwicklungen.

Die spektakuläre Berglandschaft zu erleben, erfordert in der Regel erhebliche Anstrengungen, bevor man den Blick über das Panorama gleiten lassen kann. Dennoch entscheiden sich viele zunehmend dafür, mit dem Helikopter zur Alm zu fliegen, um dort zu speisen. Während wohlhabende Reisende die Dolomiten aus der Luft bewundern, wächst bei den Einheimischen der Unmut über den steigenden Helikopterverkehr. Immer häufiger kreisen Hubschrauber mit Touristen über der Südtiroler Bergwelt. Italienische Naturschützer, Gemeinden und der Alpenverein warnen vor Lärm, Sicherheitsrisiken und den potenziellen Folgen für die fragile Natur.

Eine Initiativgruppe, der Naturpark-Führungsausschuss Puez-Geisler und die Gemeinde Villnöß verlangen daher von der Politik eine Reduzierung des touristischen Flugverkehrs sowie strengere Kontrollen. Insbesondere während der Sommermonate hat der Helikopterverkehr signifikant zugenommen. Im Juli und August flogen mehrmals täglich Hubschrauber direkt über den Almen, manchmal nur etwa 100 Meter über dem Boden. Diese Praktiken stossen auf Kritik, da für Flüge über Naturparks eine Mindestflughöhe von 500 Metern vorgeschrieben ist. Die Anwohner äußern darüber hinaus Besorgnis über mögliche Auswirkungen auf die Tierwelt. „Der Adler, der zuvor regelmäßig hier unterwegs war, wurde offenbar aus seinem Revier vertrieben“, ist eine der Hauptsorgen.

Auch im Villnösser Gemeinderat ist das Thema inzwischen angekommen. Bürgermeister Peter Pernthaler erklärte, der Gemeinderat stehe „voll hinter dem Anliegen“. Derartige Flüge seien störend für das Tal. Gleichzeitig verwies Pernthaler darauf, dass inzwischen auch von Österreich aus Hubschrauberrundflüge über die Dolomiten starten würden. „Das Land muss Druck auf den Staat machen“, forderte der Bürgermeister gegenüber dem Südtiroler Pressedienst.

Für zusätzlichen Aufruhr sorgte die Ankündigung des Fünf-Sterne-Resorts Andreus in den sozialen Medien, wonach Gäste „ab sofort mit dem Helikopter direkt an unserem eigenen Heliport am Hotel landen“ könnten. Die Reaktionen waren überwiegend negativ. Manfred Mussner, Leiter der zivilen Luftfahrtbehörde ENAC, stellte jedoch klar, dass es sich bei dem Landeplatz um einen offiziell zugelassenen Heliport handelt. Das Andreus ist zudem nicht das einzige Hotel in Südtirol mit einem eigenen Hubschrauberlandeplatz. Nach Angaben der ENAC existieren zudem sieben weitere zugelassene Hotellandeplätze. Auch in der benachbarten Gemeinde St. Martin wird das Thema intensiv diskutiert. Bürgermeister Dominik Alber berichtet von mehreren Rückmeldungen aus der Bevölkerung, die wissen möchten, wer diese Genehmigungen erteilt hat und aus welchem Grund. „Wir haben bereits eine beträchtliche Anzahl von Hubschrauberrundflügen, die Lärm verursachen. Ein zusätzliches Lufttaxi wird daher nicht gut aufgenommen“, erklärte Alber. Während Rettungs- und Transporthubschrauber von der Bevölkerung akzeptiert werden, ist die Akzeptanz für Freizeitflüge oder Lufttaxis deutlich geringer. Für die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung ist diese Entwicklung „nicht förderlich“.

Auch der italienische Alpenverein CAI Südtirol übt scharfe Kritik an der Entwicklung des Helikopter-Tourismus. Präsident Carlo Alberto Zanella bezeichnet den zunehmenden Trend als „Zirkus“, der der Integrität der Berge erheblich schadet. Er fordert die Einführung strengerer Regeln für touristische Flüge. Besonders besorgniserregend ist für Zanella, dass wohlhabende Urlauber immer häufiger Hotels oder Almen direkt per Hubschrauber ansteuern. Zudem lässt sich beobachten, dass eine wachsende Zahl von Wingsuit-Sportlern durch Helikopter in die Berge transportiert wird, anstatt den Aufstieg zu Fuß zu bewältigen. Neben den gravierenden Auswirkungen auf die Natur sieht der CAI-Präsident auch erhebliche Sicherheitsrisiken. Der starke Luftzug der Rotoren kann lose Steine lösen und dadurch Wanderer oder Kletterer gefährden, die sich unterhalb der Landeplätze aufhalten.

Auch die Südtiroler Grünen-Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa spricht sich für strengere Regelungen aus. In einem kürzlichen Bericht über eine Wanderung bei Valas äußerte sie, dass der Lärm eines Hubschraubers die Ruhe in den Bergen erheblich gestört habe. Auf Facebook kritisierte sie zudem die zunehmende Ungleichheit zwischen Wanderern und wohlhabenden Touristen. „Während wir anderen fünf Euro für den Parkplatz bezahlt haben und den Weg zu Fuß gehen, gelangen diese Personen aus der Luft, landen direkt auf der Wiese, machen ein Selfie vor der majestätischen Bergkulisse – und ziehen dann weiter zum Hofrestaurant“, so Foppa.


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