Im Herzen von Irpinia, in den Hügeln von Caposele, gibt es ein Geheimnis, das seit Generationen unerklärliche Todesfälle verursacht. Was wie ein Zufall aussah, wurde zu einer wichtigen wissenschaftlichen Entdeckung, als Forscher des IRCCS-Krankenhauses San Raffaele in Mailand eine neue genetische Mutation fanden. Die kleine Stadt in der Provinz Avellino wurde zum Freiluftlabor, um eine seltene und tödliche Krankheit besser zu verstehen. Technologische Fortschritte spielten eine große Rolle: Ein KI-Algorithmus kann mit 90 % Genauigkeit voraussagen, wer die Mutation hat. Dieses System rekonstruierte einen Stammbaum von fast 3.000 Personen über 12 Generationen und verwandelte Familiengeschichte in Daten. Dadurch konnten Risikopersonen frühzeitig erkannt und zu wichtigen Vorsorgeuntersuchungen eingeladen werden. Die Forschung konzentrierte sich auf die klinischen Auswirkungen: Eine frühzeitige Diagnose ermöglichte rechtzeitige Behandlungen, wie z. B. Defibrillatorimplantate, die plötzliche Todesfälle verhinderten. „Bei den Trägern der Mutation sahen wir zunächst eine leichte Herzbeteiligung, die das Risiko einer raschen Verschlechterung birgt“, erklärt einer der Autoren.

Die c.208del-Mutation im LMNA-Gen, die in Caposele identifiziert wurde, beeinflusst die Produktion von Laminae, welche wichtig für die Zellkernstruktur sind. Diese kleine Veränderung kann zu Herzrhythmusstörungen und dilatativer Kardiomyopathie führen. Im Laufe der Zeit kann das Herz an Kraft verlieren und elektrische Störungen entwickeln, die plötzliche Herzstillstände verursachen. Der Fall einer jungen Frau mit leichten Herzrhythmusstörungen und einer Familiengeschichte mit plötzlichen Todesfällen war der Ausgangspunkt. Eine präventive Defibrillator-Implantation rettete ihr Leben während eines Herzstillstands. Ein Screening von 234 Personen, die aus demselben Stammbaum stammen, zeigte, dass 12,8 % der Teilnehmer, also 30 Personen, Träger der Mutation sind und oft unerkannte Herzanomalien aufweisen. Zudem zeigen 43 % neuromuskuläre Symptome, was eine komplexe Erkrankung darstellt, die multidisziplinäre Ansätze erfordert.

Diese genetische Variante gehört zu den Laminopathien, seltenen Krankheiten, die durch Mutationen im LMNA-Gen verursacht werden, zu denen Progerie, Muskeldystrophien und familiäre Kardiomyopathien zählen. Die Laminae sind Säulen des Zellkerns, und ihre Defekte beeinträchtigen die zelluläre Stabilität. Die Caposele-Variante ist besonders gefährlich, da sie Herzprobleme mit milden neuromuskulären Symptomen kombiniert, was die Früherkennung erschwert. Diese Entdeckung zeigt, wie Genetik isolierte Gemeinschaften in wichtige Orte für die Wissenschaft verwandeln kann. Für Familien, die seit Generationen Angst vor plötzlichem Tod haben, bietet dies eine Erklärung sowie Hoffnung auf Prävention und Behandlung.


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