„Südtiroler Heimatbund“20210227 strommasten energie gst1trauert mit den Angehörigen eines ehemaligen Freiheitskämpfers und hat einen ehrenden Nachruf veröffentlicht:

Am 26. Juli 2026 verstarb Karl Finatzer, der ehemalige Mitbegründer der Schützenkompanie Neumarkt und Freiheitskämpfer, in dem hohen Alter von 101 Jahren in Gmünd (Kärnten).

Er hatte die faschistische Unterdrückung in Südtirol erlebt. In der Schulklasse durften er und die anderen deutschen Kinder nicht Deutsch sprechen. Sie wurden von italienischen Mitschülern als „porchi tedeschi“ („deutsche Schweine“) bezeichnet und von den italienischen Lehrern geschlagen. Dies berichtete Karl Finatzer in einem selbst verfassten Lebenslauf, den seine Enkelin Helena Finatzer dem „Südtiroler Heimatbund“ übermittelte.

Die ihm als Kind behördlich aufgezwungene Uniform der faschistischen Jugendorganisation „Balilla“ hatte er in einem Hühnerstall entsogt und war darauf hin aus der Schule entlassen worden.

Ausmarsch einer faschistischen Balilla-Abteilung im Jahr 1931
Bild aus „Das interessante Blatt“ (Wien) vom 6. August 1931. Die ihm aufgezwungene Ballila-Uniform hatte Finatzer in einen Hühnerstall entsorgt.

Nach 1945 hatte sich durch die Fortsetzung der faschistischen Unterdrückungspolitik die Situation unerträglich zugespitzt. Finatzer hatte dann federführend an nächtlichen Aktionen teilgenommen, bei denen Tiroler Fahnen gehisst wurden.

Karl Finatzer als Fahnenträger der Schützenkompanie Neumarkt
Karl Finatzer als Fahnenträger der Schützenkompanie Neumarkt (Bild: Archiv)

Wegen seines Einsatzes für die bedrohte Heimat musste Finatzer bereits 1960 nach Österreich flüchten. Angeklagt im 1. Mailänder Prozess konnte ihm aber nichts nachgewiesen werden, nur eine Straßensperre mit einem Baumstamm an der Landesgrenze in Salurn. Angeklagt war er auch wegen „Politischer Verschwörung“.

Wie seine Enkelin Helena Finatzer mitteilt, hat ihr Großvater Südtirol nach seiner Flucht aus persönlichen Sicherheitsgründen 10 Jahre nicht mehr betreten. Er konnte deshalb den Schreinerei-Familienbetrieb nicht weiterführen und auch an der Beisetzung seiner Eltern nicht teilnehmen.

Zu seiner sehr würdig gestalteten Beerdigung in Gmünd am 3. August 2026 waren auch Manfred und Wolfram Klotz, die Söhne des Freiheitskämpfers Georg Klotz gekommen und hatten vor dem Grab salutiert.


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